Kultur

Wissenschaft und Bildung

Bildung ist quasi in das Gewebe der aserbaidschanischen Kultur und Geschichte eingewoben. Spätestens seit dem 19. Jahrhundert wurden überall in Aserbaidschan Bildungseinrichtungen nach europäischem Vorbild eröffnet. 1919 wurde die Staatliche Universität Baku – die erste aserbaidschanische Hochschule und eine der ersten Institutionen dieser Art im Osten – gegründet. Zur Sowjetzeiten wurde das aserbaidschanische Bildungssystem durch das sowjetische ersetzt.

Nach der Wiedererlangung der aserbaidschanischen Unabhängigkeit wurde 1991 ein Bildungsreformprogramm umgesetzt. Die aserbaidschanische Regierung entwickelte eine weltweiten Standards entsprechende Lehrmethode, die 1999 eingeführt wurde. Das derzeitige Schulsystem umfasst Kindergärten und Vorschulen, Gesamtschulen, Berufsschulen, Fachhochschulen und Universitäten.

Ein neues Schulrecht, das 2009 erlassen wurde, bildete die gesetzliche Grundlage für die Reformierung des aserbaidschanischen Bildungssystems. Neben den staatlichen Schulen wurde ein System aus privaten Bildungseinrichtungen geschaffen. Die aserbaidschanischen Hochschulen beteiligen sich aktiv am Bologna-Prozess. Derzeit studieren Tausende junger Menschen aus aller Welt an den Hochschuleinrichtungen in Aserbaidschan. Das aserbaidschanische Bildungssystem unterhält auch Förderprogramme, um besonders begabten Studenten das Studium an den weltweit führenden Universitäten zu ermöglichen.

Azerbaijan National Academy of Sciences building detail

Die aserbaidschanische Nationale Akademie der Wissenschaften (ANAS) in Baku

Aserbaidschan blickt auf eine lange Geschichte der wissenschaftlichen Forschung zurück. Derzeit liegt die wissenschaftliche Forschung in den Händen der 1945 gegründeten aserbaidschanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (ANAS) sowie einer Reihe weiterer Universitäten. Es gibt spezielle Schulen mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt, etwa für Mathematik, Physik, Petrochemie, Geologie und Biologie. Die Aserbaidschanische Staatliche Ölakademie ist für ihre wissenschaftliche Forschung und ihre Innovationen im Bereich der Erdölindustrie bekannt. Darüber hinaus haben Forschungen in den Geistes- und Sozialwissenschaften das Verständnis und die Wertschätzung der aserbaidschanischen Literatur, Geschichte, Philosophie und anderer Themenfelder bereichert.

Literatur

Die Literatur und besonders die Volksliteratur nimmt in der aserbaidschanischen Kultur einen gesonderten Platz ein. Der aserbaidschanische Erzählzyklus Dede Korkut ist ein bedeutendes literarisches Werk und über 1.300 Jahre alt. Im Mittelalter schuf der aserbaidschanische Dichter Nezami sein weltberühmtes Werk Chamsa, und der Dichter Fuzuli war über regionale und nationale Grenzen hinweg bekannt; sein „Leyli und Madschnun“ ist ein Meisterwerk der Weltliteratur. Ein weiterer großer Vertreter der aserbaidschanischen Literatur war Mirzä Fätäli Axundov, der die Gattung des Dramas im 19. Jahrhundert für das aserbaidschanische Theater verfeinerte.

Während der Sowjetherrschaft wurden viele große aserbaidschanische Schriftsteller wie Huseyn Javid, Ahmad Javad und Mikail Mushfiq Opfer der sowjetischen Repressionspolitik. Samad Vurgun, Suleyman Rustam, Ilyas Efendiyev und Mammad Said waren damals besonders berühmt. Der aserbaidschanische Dichter Shahriyar hatte eine große Bedeutung für die aserbaidschanische und iranische Literatur, und das Werk „Ali und Nino“ des aserbaidschanischen Exilschriftstellers Kurban Said ist weltweit bekannt geworden. Zu den bekanntesten zeitgenössischen Schriftstellern Aserbaidschans gehören Bakhtiyar Vahabzada, Anar und viele andere. In jüngster Zeit erlangte Cingiz Abdullayev internationale Bekanntheit durch seine packenden Krimis und Kurzgeschichten.

Musik

Die aserbaidschanische Mugham wurde 2003 von der UNESCO zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit ernannt.

Hören Sie Alim Qasimov – Bagishlamani:

Diese äußerst komplexe Kunstform vereint in ihrer leidenschaftlichen Darbietung klassische Dichtkunst mit musikalischer Improvisation und bedient sich besonderer regionaler Tonarten. In Baku gibt es ein Internationales Mugham-Zentrum, und es findet dort regelmäßig das Internationale Mugham-Festival statt.

Eine moderne Spielart des Mugham ist „Jazz-Mugham“, die von dem Pianisten und Komponisten Vagif Mustafazadeh entwickelt wurde. Auf dem Internationalen Jazzfestival in Baku treten jedes Jahr international führende Musiker auf.

Hören Sie Vagif Mustafazadeh – Dushunce:

Eine weitere aserbaidschanische Gattung ist die Aschik-Musik. Diese wird von Wandersängern dargeboten, die sich selbst auf der Saz, einer traditionellen Langhalsraute, begleiten.

Der Begründer der aserbaidschanischen klassischen Musik ist Üzeyir Hacibeyov. Sein Werk „Leyli und Madschnun“ (1908) gilt als die erste Oper des Orients. Die ersten östlichen Ballette und Symphonieorchester wurden ebenfalls in Aserbaidschan gegründet. Die Wertschätzung für die klassische Musik wird in Aserbaidschan gefördert, und seit jüngster Zeit kommen Besucher aus aller Welt zum jährlich stattfindenden Internationalen Musikfestival nach Qäbälä. Auf dem insgesamt vierten Festival wird das Londoner Royal Philharmonic Orchestra nach 2010 erneut als Gastorchester auftreten; unter den Dirigenten werden Farhard Badalbeyli, Dmitri Yablonsky und Rauf Abdullayev sein.

Kunst und Architektur

Einer der berühmtesten aserbaidschanischen Künstler ist Sattar Bahlulzade (1909–74), der die zeitgenössische aserbaidschanische Landschaftsmalerei begründete. Er stellte die ländlichen Regionen seiner Heimat in einem impressionistischen Stil dar und kombinierte Pastellfarben mit breiten Pinselstrichen. Seine Werke werden auf der ganzen Welt ausgestellt.

Tahir Salahov (* 1928) war einer der Hauptvertreter des „Strengen Stils“ und ist bekannt für seine Porträtbilder von Arbeitern und Berühmtheiten, etwa dem aserbaidschanischen Komponisten Qara Qarayev. Auf der entgegengesetzten Seite des Spektrums hielt Togrul Narimanbekov (* 1930) Motive des aserbaidschanischen Volkslebens in satten, lebendigen Farben fest.

In ganz Aserbaidschan wird Kunst in den zahlreichen landesweiten Museen und Galerien ausgestellt. In der Hauptstadt Baku gibt es spezielle Institute für Literatur, bildende Künste, Teppiche sowie ornamentale und moderne Kunst.

Die aserbaidschanische Architektur vereint eine Fülle von Einflüssen aus verschiedenen Stilen und Epochen. Im Land gibt es mehrere hundert historische und moderne Bauwerke, die verschiedene Stile und Schulen repräsentieren. Dabei ist das Erbe des kaukasischen Albania von besonderer Bedeutung und wird sowohl durch weltliche Gebäude als auch durch christliche Kirchen vertreten. Eine davon befindet sich in dem aserbaidschanischen Dorf Kisch im Rayon Schäki und gilt als die „Mutter der albanischen Kirchen“. Diese Kirche ist das älteste christliche Bauwerk im Kaukasus und würde kürzlich im Rahmen eines staatlichen Architekturprogramms restauriert.

Die Ausbreitung des Islams im 7. Jahrhundert führte dazu, dass verschiedene islamische Architekturstile übernommen wurden. Zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert erreichte die aserbaidschanische Architektur einen weiteren Höhepunkt: Das Momine-Khatun-Mausoleum, das 1186 vom Baumeister Adschemi ibn Abubakr in Nachitschewan errichtet wurde, gilt als Perle der aserbaidschanischen und Weltarchitektur.

Zu den Meisterwerken der aserbaidschanischen Architektur zählen Itschäri Schähär, die teilweise von einer Mauer umgebenen Altstadt im Zentrum von Baku, in der sich über 50 historische Baudenkmäler befinden, darunter der Palast der Schirwanschahs und der Jungfernturm; diese gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.

The Maiden Tower, Baku, Azerbaijan

Der Jungfernturm in Baku

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert beförderte der rasante Fortschritt der Bakuer Erdölindustrie die Entwicklung der zivilen und industriellen Architektur. Im Zuge der Wiedererlangung der aserbaidschanischen Unabhängigkeit wurde die offizielle sowjetische Architektur durch einen neuen, modernen Architekturstil ersetzt.

Kino

Die Geburtsstunde des aserbaidschanischen Kinos fällt auf das Jahr 1898 – drei Jahre, bevor die Brüder Lumière ihren ersten Film aufführten. Seitdem hat sich der aserbaidschanische Film als eigene Kunstform etabliert. Der aserbaidschanische Regisseur, Drehbuchautor und Kameramann Rustam Ibragimbekov wurde für sein Drehbuch zu „Die Sonne, die uns täuscht“ (1994) mit einem Oscar ausgezeichnet, und der Film „Die Fledermaus“ (1995) von Ayaz Salayev wurde auf dem Internationalen Filmfestival im französischen Angers mit dem Grand Prix geehrt. Der aserbaidschanische Produzent Vaqif Mustafayev ist Mitglied der Europäischen Film- und Fernsehakademie.

Kochkunst

Die aserbaidschanische Küche gilt als eine der köstlichsten im gesamten Kaukasus. Die äußerst ertragreichen Böden und das Kaspische Meer liefern einen wahren Reichtum an Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse. Kaviar aus dem Kaspischen Meer ist eine international gefragte Delikatesse. Die aserbaidschanische Küche kennt mehr als 30 verschiedene Suppen, und das beliebteste Gericht ist Plov. Zu besonderen Anlässen werden eine Vielzahl verschiedener Kebabs mit Lamm, Rind, Huhn oder Fisch zubereitet. Dörrobst und Walnüsse finden reichlich Verwendung. Die aserbaidschanische Küche ist bekannt für die reichhaltige Verwertung von Saisongemüse und vielen Gewürzen.

Azerbaijani Baklava

Aserbaidschanisches Baklava

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