Geschichte

Aserbaidschan war bereits in der Altsteinzeit von Menschen besiedelt und gilt als eine Wiege der antiken Zivilisation. Davon zeugen Fundstätten wie die steinzeitlichen Felszeichnungen in Gobustan, die 2007 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurden. Die Azich-Höhlen, die sich im armenisch besetzten Rayon Füzuli befinden, zählen zu den ältesten Behausungen der frühen Menschheitsgeschichte in Eurasien. Der Höhlenkomplex ist Fundstätte eines 300.000 Jahre alten menschlichen Kieferknochens; andere Funde lassen sich sogar auf die Zeit von vor rund 1,5 Millionen Jahren datieren.

Rock paintings in Gobustan, Azerbaijan, UNESCO World Heritage Site

Antike Felszeichnungen im aserbaidschanischen Gobustan (UNESCO-Weltkulturerbe)

Der früheste Staat auf dem Gebiet des heutigen Aserbaidschans entstand im dritten vorchristlichen Jahrtausend. Zwischen dem 9. und 6. Jahrhundert v. Chr. stieg das am Urmiasee gelegene Mannai zu einem führenden Königreich der antiken Welt auf. Nach dem Tod Alexander des Großen und dem Zerfall seines Großreiches entstanden im Norden das antike Königreich Albania und im Süden das Königreich Atropatene.

Das kaukasische Albania zählt zu den ersten christlichen Staaten und war für sein Alphabet und Schriftsystem und seine intensiven Handelsbeziehungen bekannt. Als im 7. Jahrhundert der Islam seinen Siegeszug über die gesamte Region des heutigen Aserbaidschans antrat, wurde die traditionelle einheimische Kultur durch die Einflüsse der islamischen Zivilisation bereichert. Zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert wurden auf dem Gebiet Aserbaidschans neue Staaten gegründet, die später dem Seldschukenreich einverleibt wurden. Ab dem 12. und 13. Jahrhundert entstanden auf dem aserbaidschanischen Gebiet viele mächtige Reiche, u.a. die Dynastien der Atabegs und der Schirwanschahs.

Die Zeit zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert gilt als das aserbaidschanische Zeitalter der Renaissance. In dieser Epoche verfasste der Dichter Nezami (1141–1209) seine berühmten fünf Epen (Chamsa). Ebenfalls in dieser Zeit begründete der namhafte Architekt Adschami ibn Abu Bakr eine Schule der Architektur in Nachitschewan und errichtete sein bedeutendstes Bauwerk, das Momine-Khatun-Mausoleum (1186), sowie weitere Bauwerke. Im 13. und 14. Jahrhundert war Aserbaidschan ein bedeutender Teil des mongolischen Weltreichs.

Während des 15. Jahrhunderts entstanden neben dem Staat der Schirwanschah-Dynastie die Stammesföderationen der Qara Qoyunlu und der Aq Qoyunlu. Im Jahre 1501 schuf der eminente Staatsmann und Denker Shah Ismail I. das zentralistisch regierte Reich der Safawiden (1501–1736) und machte Azeri zur Amtssprache. Nach dem Zusammenbruch des Reiches übernahm Nadir Schah die Herrschaft über Persien. Danach zerfiel das Reich in mehrere unabhängige Khanate, bis das Gebiet des heutigen Aserbaidschans schließlich durch die Unterzeichnung des Friedens von Gulistan (1813) und des Friedens von Turkmantschai (1828) zwischen dem Russischen Reich und Persien aufgeteilt wurden.

Nach dem Zerfall des Russischen Reichs und mehr als einem Jahrhundert der zaristischen Herrschaft über Nordaserbaidschan kam es 1918 zur Gründung der Demokratischen Republik Aserbaidschan – der ersten demokratischen Republik im Osten.

Obwohl die Republik von der internationalen Staatengemeinschaft de facto anerkannt wurde, fiel die Rote Armee 1920 in das Land ein. 1992 kam es zur Bildung der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik, die von 1922 bis zur Wiedererlangung der Unabhängigkeit von der Sowjetunion am 18. Oktober 1991 existierte.

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