Xocalı - Eine unvergessene Tragödie

Vor [dem Massaker von] Xocalı glaubten die Aserbaidschaner, dass [...] die Armenier es nicht wagen würden, sich an der Zivilbevölkerung zu vergreifen. Wir haben sie eines Besseren belehrt.

Serzh Sargsyan – armenischer Staatspräsident

Barbed Wire

Die geschichtlichen Hintergründe

Während der jahrzehntelangen Sowjetherrschaft über den Kaukasus konnte Armenien sein Territorium mit Unterstützung Moskaus strategisch und systematisch weiter auf aserbaidschanisches Gebiet ausdehnen. Im Zuge dieser Expansion wurden Tausende von Aserbaidschanern vertrieben. 1920 erklärte die Sowjetunion unrechtmäßig die Zugehörigkeit der aserbaidschanischen Regionen Basargetschar und Wedibasar sowie Teile von Zangezur zu Armenien. 1923 wurde der aserbaidschanischen Region Bergkarabach der „Autonomiestatus“ verliehen. Am 20. Februar 1988 reichte der Sowjet der Volksdeputierten der Autonomieregion Bergkarabach mit armenischer Unterstützung eine Petition beim Obersten Sowjet der Aserbaidschanischen und der Armenischen SSR ein, in der die Abtretung Bergkarabachs an Armenien gefordert wurde. Dieser Schritt gilt heute allgemein als eine der Ursachen für den anhaltenden Konflikt. Das gesetzgebende Organ der Aserbaidschanischen SSR debattierte über die Petition und lehnte sie schließlich mit der Begründung ab, dass sie gegen die aserbaidschanische Verfassung verstößt. Dennoch bemühte sich die armenische Seite weiter um die Durchsetzung ihrer Forderung. Im Zuge der Auflösung der Sowjetunion und der daraus resultierenden Instabilität kam es zu einem offenen Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan um Bergkarabach.

Die Tragödie von Xocalı

Mit einer Gesamtfläche von 7,5 Quadratkilometern war Xocalı die zweitgrößte Stadt in Bergkarabach und verfügte über den einzigen Flughafen in der Region. Bevor Armenien das Gebiet für sich beanspruchte, lebten 23.757 Menschen in Xocalı. Diese Zahl schrumpfte jedoch bereits vor den schicksalhaften Ereignissen des Februars 1992 auf 2.500. Im Februar 1992 war die Situation der Bewohner von Xocalı ziemlich trostlos: Es gab kein Telefon, kein Strom, kein Petroleum und kein Wasser. Am 21. Februar gingen die Lebensmittelvorräte in der Stadt aus; die Menschen hatten nur noch Kartoffeln, die lokal angebaut wurden. Dieser schlimmen Lage zu entkommen, war jedoch alles andere als einfach, da die Stadt vom Rest Aserbaidschans abgeschnitten war. Die Straßen, die aus der Stadt herausführten, wurden von armenischen Truppen und Angehörigen der ehemaligen Sowjetarmee, die noch immer in Bergkarabach stationiert waren, blockiert. Die Stadt war nur noch per Hubschrauber erreichbar; die jedoch gerieten bei jedem Anflugversuch unter armenischen Dauerbeschuss. Die einzige Möglichkeit war die Flucht zu Fuß über die Berge – ein mühseliger und gefährlicher Weg in die Freiheit. Am 26. Februar also waren die Bewohner von Xocalı ihren Schlächtern schutzlos ausgeliefert.

Am Vorabend des 25. Februar begannen armenische Streitkräfte mit einer Aktion, mit der sie die Region endgültig unter ihre Kontrolle bringen wollten. Den Bewohnern von Xocalı teilte man mit, dass man sie sicher passieren ließe, wenn sie die Stadt freiwillig räumten. Dieses Versprechen sollte sich jedoch bald als hinterlistiges Täuschungsmanöver entpuppen. Als alle Bewohner von Xocalı aus der Stadt flohen, wurden sie an der Grenze von armenischen Streitkräften und Angehörigen des sowjetischen motorisierten Schützenregiments 366 mit Kugelhagel in Empfang genommen. Die panischen und unbewaffneten Zivilisten – mehrheitlich Frauen und Kinder – wurden kaltblütig abgeschlachtet.

Während des Massakers ermordeten armenische Streitkräfte 613 Aserbaidschaner, darunter 106 Frauen, 63 Kinder und 70 alte Menschen. 487 der Opfer, davon 76 Kleinkindern, wurden dabei schreckliche Wunden zugefügt. 56 Menschen wurden auf grausame Art und Weise hingerichtet. Sie wurden aus nächster Nähe erschossen, skalpiert oder bei lebendigem Leib angezündet; einigen wurden die Augen ausgestochen, anderen die Köpfe abgeschlagen. Einer schwangeren Frau stieß man sogar mit einem Bajonett den Bauch durch. Die Menschen, die verwundet entkommen konnten, fielen während auf Flucht durch die Berge zumeist den eisigen Temperaturen zum Opfer. Außer den 613 Todesopfern wurden noch 1.275 Aserbaidschaner als Geiseln genommen.

Nachdem die armenischen Soldaten alle Bewohner von Xocalı ermordet, verhaftet oder vertrieben hatten, bemühten sie sich, die Stadt schnell unter ihre Kontrolle zu bekommen – unter anderem auch, um die Spuren des Massakers zu verwischen. Als aserbaidschanische Hubschrauber versuchten, die Leichen der Ermordeten zu bergen, gerieten sie wiederholt unter heftigen armenischen Beschuss. Die meisten Leichen mussten auf Lkw verladen und massenweise abtransportiert werden. Der Verbleib von 150 Leichen ist noch heute ungewiss. Das Massaker der armenischen Soldaten an den Bewohnern von Xocalı stellt eine grobe Verletzung des Völkerrechts dar und verstößt gegen mehrere Genfer Konventionen sowie die Artikel 2, 3, 5, 9 und 17 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 von der UN-Generalversammlung verkündet wurde.

Die armenische Version

Als sich die Nachricht von dem Massaker verbreitete, begann Armenien sich gegen die Anschuldigungen zu verteidigen. Die armenische Regierung fabrizierte Falschberichte über die tragischen Ereignisse von Xocalı. So hieß es in einer offiziellen Erklärung, dass das Massaker lediglich die Folge einer gewöhnlichen Militäroperation gewesen sei und die zivilen Opfer auf aserbaidschanische Soldaten zurückzuführen wären, die ihr Gebiet verteidigen wollten. Diese Erklärung widerspricht jedoch den Statistiken, aus denen eindeutig hervorgeht, dass es sich bei den meisten Todesopfern um Frauen und Kinder handelte. Zudem setzte die armenische Regierung das Gerücht in die Welt, dass die Aserbaidschanische Volksfront 100 aserbaidschanische und armenische Zivilisten getötet und die Leichen so positioniert hätte, dass sie der armenischen Seite die Schuld dafür zuweisen konnte. Schließlich behauptete Armenien auch, dass die Bilder von verstümmelten Aserbaidschanern, die um die Welt gingen, gefälscht wären.

Die Reaktionen der internationalen Presse

Das US-Nachrichtenmagazin „Time“ reagierte skeptisch auf die Erklärungen der armenischen Regierung: „Die dünne Behauptung des armenischen Aggressors, es seien keine unschuldigen Menschen vorsätzlich getötet worden, ist wenig überzeugend.“ Auch „Human Rights Watch“ bezeichnete die armenischen Behauptungen als „höchst unglaubwürdig“. Und die internationale Menschenrechtsorganisation „Memorial“ mit Sitz in Moskau meinte: „Der Massenmord an Zivilisten in Xocalı ist unter keinen Umständen zu rechtfertigen. Die Taten der armenischen Soldaten stellen einen groben Verstoß gegen mehrere internationale Menschenrechtskonventionen dar.“

Auch westliche Zeitungen berichteten über das schreckliche Massaker von Xocalı:

The Sunday Times (1. März 1992) Armenische Soldaten töten Hunderte flüchtender Familien:

Im Krankenhaus von Ağdam spielten sich grausame Szenen ab. Die Ärzte gaben an, 140 Patienten zu behandeln, die dem Gemetzel entkommen konnten; die meisten von ihnen hatten Schusswunden oder tiefe Stichwunden davongetragen.

The Times (2. März 1992) Leichenberge auf den Hängen von Karabach:

Die fliehende Zivilbevölkerung wurde hinterrücks erschossen.

The Washington Times (2. März 1992) Armenischer Überfall fordert Todesopfer und Flüchtlinge auf aserbaidschanischer Seite:

Das aserbaidschanische Staatsfernsehen zeigte Wagenladungen von Leichen, die aus der Region um Xocalı abtransportiert wurden.

The New York Times (3. März 1992) Berichte über armenisches Massaker:

Aserbaidschanische Politiker und Journalisten brachten von einer kurzen Hubschrauberreise in die Region die Leichen dreier Kinder mit zurück, deren Hinterköpfe von Geschossen zerfetzt worden waren.

The Times (3. März 1992) Massaker aufgedeckt:

Auf den Hängen von Bergkarabach wurden über 60 Leichen gesichtet, darunter viele Frauen und Kinder; Hunderte von Menschen werden noch vermisst.

The Times (3. März 1992) Massaker aufgedeckt:

Viele der Opfer wurden auf der Flucht aus nächster Nähe erschossen. Einige hatten entstellte Gesichter, andere waren skalpiert worden.

Die Tatenlosigkeit der internationalen Gemeinschaft

Die Welle der internationalen Berichterstattung über das Massaker ebbte schon kurz nach dem Ereignis wieder ab. Schnell wandten sich die westlichen Medien wieder anderen Krisengebieten der Welt wie dem Balkan und Ruanda zu. Folglich gibt es weltweit viele Menschen, die noch nie von der Tragödie von Xocalı oder dem anhaltenden Bergkarabach-Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan gehört haben.

Westliche Politiker und internationale Organisationen waren in ihrer Verurteilung dieses schrecklichen Verbrechens zurückhaltend. Auch sah die Welt tatenlos zu, als einer der Drahtzieher des Massakers, der ehemalige armenische Verteidigungsminister Serzh Sargsyan, 2008 zum armenischen Staatspräsidenten ernannt wurde. Dieser Mann wird in dem Buch „Black Garden“ des britischen Journalisten Thomas de Waal mit folgendem Satz zitiert: „Vor [dem Massaker von] Xocalı glaubten die Aserbaidschaner, dass [...] die Armenier es nicht wagen würden, sich an der Zivilbevölkerung zu vergreifen. Wir haben sie eines Besseren belehrt.“

Einer der Gründe, warum westliche Regierungen und Medien die Augen vor den schrecklichen Ereignissen von Xocalı verschließen, ist zweifelsohne der unverhältnismäßig große Einfluss, den die armenische Lobby im Westen ausübt. Viele sind vermutlich auch geblendet von der Behauptung des angeblichen „Völkermords an den Armeniern“, der 1915 verübt worden sein soll. Durch keinen dieser Faktoren lassen sich jedoch das abscheuliche Verbrechen von Xocalı und die anhaltende Missachtung von Völkerrecht durch Armenien rechtfertigen.

Unsere Mission

„The European Azerbaijan Society“ (TEAS) setzt sich dafür ein, dass die internationale Gemeinschaft die Tragödie von Xocalı offiziell anerkennt und die Welt dazu aufruft, endlich zu handeln. Die aserbaidschanische Region Bergkarabach und sieben angrenzende Gebiete befinden sich nach wie vor unter armenischer Besatzung, obwohl sie innerhalb der international anerkannten Grenzen von Aserbaidschan liegen. Bis dato hat der Bergkarabach-Konflikt mehr als 20.000 Menschen das Leben gekostet; viele Tausende wurden verwundet oder entstellt. Zudem wurden Hunderte von Dörfern geplündert und niedergebrannt. Infolge des Konfliktes sind außerdem insgesamt 875.000 Aserbaidschaner zu Flüchtlingen oder Binnenvertriebenen geworden – das sind beinahe zehn Prozent der aserbaidschanischen Gesamtbevölkerung. Nach Angaben der UN-Hauptabteilung Presse und Information ist Aserbaidschan das Land mit der höchsten Anzahl an Binnenvertriebenen je 1.000 Einwohner.

Das Hauptziel von TEAS ist:

  • Die Anerkennung seitens europäischer Regierungen und der Europäischen Union, dass es sich bei der Tragödie von Xocalı um ein von Armenien verübtes Massaker handelt.

Des Weiteren kämpft TEAS für:

  • Die Anerkennung seitens von EU-Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlamentes, dass die gegenwärtige Lage in Bergkarabach und den sieben angrenzenden Regionen untragbar ist.
  • Die Anerkennung seitens von EU-Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlamentes, dass Armenien die Verantwortung für diesen Konflikt trägt, sowie ihre Bereitschaft, Sanktionen gegen Armenien zu erlassen, sofern das Land seine Besatzungstruppen nicht abzieht.
  • Die Anerkennung des Rückkehrrechts der 875.000 aserbaidschanischen Flüchtlinge und Binnenvertriebenen, die Opfer dieses Konfliktes sind.
  • Den vollständigen Rückzug aller armenischen Truppen aus den besetzten Gebieten und die Beendigung der armenischen Expansionspolitik.
  • Die Fortsetzung der Verhandlungen über den zukünftigen Rechtsstatus von Bergkarabach.

Barbed Wire

In Gedenken an das Ereignis und die Opfer wurde im britischen Unterhaus ein entsprechender Antrag (Early Day Motion) eingebracht.

Frieden und Versöhnung ist nur möglich, wenn auch Gerechtigkeit widerfährt und die internationale Gemeinschaft die Tatsachen des Bergkarabach-Konfliktes anerkennt.

Hefte: Xocalı - Eine unvergessene Tragödie

Themenseiten