Das moderne Aserbaidschan

Das moderne Aserbaidschan entstand in den Jahren zwischen 1993 und 2003. Damals kam es durch die gefährliche Unsicherheit, die im Zuge des Zusammenbruchs der Sowjetunion bestand, zu Bürgerunruhen. Diese konnten jedoch bald beigelegt und die politische Stabilität wieder hergestellt werden.

Baku bay at night

Blick über die Bucht von Baku bei Nacht

Im November 1995 trat eine neue Verfassung in Kraft. Es wurde einer freier Markt und günstige Bedingungen geschaffen, um ausländische Investoren ins Land zu holen. Im Rahmen eines umfangreichen Erdölförderprogramms wurde u.a. 1994 der so genannte „Jahrhundertvertrag“ unterzeichnet. Durch die Einnahmen der Erdölindustrie konnte die aserbaidschanische Regierung umfangreiche Investitionen in die Bereiche Bildung, Wissenschaft und Kultur tätigen.

Aserbaidschan durchläuft derzeit eine Phase der nationalen Wiedergeburt. 2006 stieg das Bruttosozialprodukt des Landes um sage und schreibe 34,5 Prozent. In der Folge kam es im gesamten Land und besonders in der Hauptstadt Baku zu einem Bauboom.

a busy street in Baku Azerbaijan

Belebte Straße in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku

Aserbaidschan ist heute ein wichtiges Beitrags- und Transitland des Energiekorridors zwischen Ost und West. Erdöl und Erdgas aus Aserbaidschan werden über die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline und die Südkaukasus-Pipeline nach Europa geliefert. Die beiden Pipelines verbinden die reichhaltigen Rohstoffvorkommen des Kaspischen Beckens mit den weltweiten Energiemärkten.

In Zukunft wird Aserbaidschan zudem eine entscheidende Rolle als Beitrags- und Transitland für den „Südlichen Korridor“ spielen. Dieses Pipeline-Netz soll die europäische Energiesicherheit durch Erdgaslieferungen aus Zentralasien gewährleisten. Das geplante Projekt umfasst die Nabucco-Pipeline, die Transanatolische Pipeline (Tanap) und eine weitere Leitung, die von der Türkei über Griechenland nach Italien führt (ITGI).

Dem enormen wirtschaftlichen Potenzial Aserbaidschans steht auf gesellschaftlicher Seite eine tief traditionelle Mentalität mit einem ausgeprägten Familiensinn gegenüber. Die einzigartige aserbaidschanische Kultur und Geschichte hat zur Ausbildung eines faszinierenden Volkscharakters geführt, der gemäßigt islamisch, seinem Wesen nach turkisch und zugleich europazentrisch ist. Die Tradition der Gastfreundschaft wird in allen Gesellschaftsschichten gepflegt, sodass jedem Besucher überall ein herzlicher Empfang bereitet wird.

Mit der ehemals autonomen Region Nagorno-Karabakh und sieben umliegende Bezirke, befinden sich noch immer fast 20 Prozent des aserbaidschanischen Staatsgebietes unter armenischer Besatzung. Im Zuge der völkerrechtswidrigen Invasion armenischer Truppen mussten fast eine Million Aserbaidschaner aus ihren Häusern fliehen oder wurden vertrieben.

1994 handelten Armenien und Aserbaidschan im Konflikt um Bergkarabach einen Waffenstillstand aus. Überdies wurden erste völkerrechtliche Maßnahmen zur Beilegung des Konflikts ergriffen. Vor diesem Hintergrund hat Aserbaidschan eine ausgewogene Außenpolitik entwickelt; das Land ist in die internationale Staatengemeinschaft integriert worden und hat enge und wirkungsvolle Beziehungen zu verschiedenen internationalen Organisationen aufgebaut. Das damals entwickelte Staatsverständnis hat auch heute noch Gültigkeit.

Aserbaidschan ist für seine ethnisch vielfältige Bevölkerung und seine religiöse Toleranz bekannt. Hinzu kommt, dass heute rund 20 Millionen ethnische Aserbaidschaner im Iran leben. Die Beziehungen zu dieser und den anderen weltweit lebenden Gemeinden von Aserbaidschanern werden kontinuierlich gepflegt und ausgebaut.

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