Gedenkveranstaltung in Istanbul würdigt Opfer des Massakers von Xocalı

Pressemitteilung: Am 23. Februar wurde die neue unabhängige Dokumentarfilmproduktion Endless Corridor im Zorlu Center im Herzen von Istanbul gezeigt. Die Vorführung gedachte der Opfer des Massakers von Xocalı. Bei diesem  schlimmsten Kriegsverbrechen im armenisch-aserbaidschanischen Krieg um die Region Bergkarabach waren im Februar 1992 insgesamt 613 Zivilisten getötet worden, darunter 106 Frauen, 63 Kinder und 70 alte Menschen. Im Rahmen der Veranstaltung wurde außerdem das neue Buch Khojaly Witness of a War Crime: Armenia in the Dock vorgestellt.

Vor einem Publikum aus über 200 Politikern, wichtigen Persönlichkeiten und Pressevertretern sagte Rena Rzaeva, Vertreterin von „The European Azerbaijan Society“ (TEAS) in Istanbul: „Wir sind heute hier zusammengekommen, um den 23. Jahrestag des Massakers von Xocalı zu begehen. TEAS ist stolz, diese und weitere Veranstaltungen im Rahmen der Kampagne Justice for Khojaly – Gerechtigkeit für Xocalı – zu organisieren. Ziel dieser Kampagne, die von Leyla Aliyeva, Vizepräsidentin der Heydar Aliyev Foundation, ins Leben gerufen wurde, ist es, das öffentliche Bewusstsein für dieses Verbrechen international zu schärfen. Die internationale Justice for Khojaly-Kampagne startete am 8. Mai 2008. Ihre rasante Entwicklung zeugt von der breiten internationalen Unterstützung für die Wiederherstellung von Gerechtigkeit in der Region. Diese Unterstützung wurde auf über 100 Veranstaltungen in Europa, Amerika, Afrika und Asien von wichtigen Persönlichkeiten, internationalen Organisationen und Regierungen zum Ausdruck gebracht. TEAS organisiert in diesem Jahr im Rahmen der Justice for Khojaly-Kampagne Veranstaltungen in London, Paris, Straßburg, Brüssel, Berlin, Bern, Dublin, Ankara, Rom, Luxemburg und Vilnius sowie heute Abend hier in Istanbul.“

„Wir alle wissen, dass es ohne die Achtung der territorialen Integrität und Souveränität von Staates keinen Frieden geben kann. Und ohne Frieden keine Gerechtigkeit. Selbstverständlich unterliegen geschichtliche Ereignisse immer der Deutung. Doch das Verbrechen, das im Februar 1992 vor den Augen der Welt – vor unseren Augen – in Xocalı begangen wurde, ist in all seinem Leid noch heute schmerzlich spürbar. Lassen Sie uns gemeinsam der 613 unschuldigen Menscheneinschließlich der 63 Kinder gedenken, die in jener kalten Nacht im Februar 1992 brutal hingerichtet wurden. Das Buch, das wir Ihnen heute Abend stolz präsentieren, schildert aus Sicht von Überlebenden und Augenzeugen, was sich damals wirklich zugetragen hat. Ich hoffe sehr, dass dieses wichtige Buch wie auch der Dokumentarfilm wesentlich zum Frieden und zur Wiederherstellung von Gerechtigkeit beitragen werden.“

Ian Peart, Projektkoordinator von TEAS Baku und Mitherausgeber von Khojaly Witness of a War Crime: Armenia in the Dock,sagte: „Ich hatte bereits zehn Jahre in Aserbaidschan gelebt, als man mich bat, Überlebende des Massakers von Xocalı zu interviewen. Als ich die einmalige Möglichkeit bekam, persönlich mit diesen mutigen Menschen zu sprechen, entwickelte ich ein viel tieferes Verständnis für die Ereignisse von damals. Wir beschlossen, das Projekt zu einem Buch mit Berichten von Augenzeugen und Überlebenden auszuweiten. Wir wollten die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren, dass sich hinter den Statistiken dieses Verbrechens echte Menschen verbergen – und nicht nur Zahlen. Wir freuen uns sehr, dass das Buch in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde.“

„Für die türkische Ausgabe möchten wir uns vor allem bei Leyla Aliyeva bedanken, die die Justice for Khojaly-Kampagne ins Leben gerufen hat. Ich hoffe, Sie werden ihr Vorwort zu diesem Buch und die herzergreifenden Berichte der Überlebenden und internationalen Beobachter lesen. Schließlich möchte ich jeden von Ihnen bitten, sich persönlich zu fragen, was Sie tun können, damit diesen Menschen endlich Gerechtigkeit wiederfährt.“

Hasan Zeynalov, aserbaidschanischer Generalkonsul in der Türkei, sagte anschließend: „Wir sind heute hier zusammengekommen, um an eines der schlimmsten und tragischsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit im 20. Jahrhundert zu erinnern – das Massaker von Xocalı, das sich vor 23 Jahren ereignete. In der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1992 überfielen armenische Truppen gemeinsam mit Offizieren des 366.Regiments der Sowjetarmee die aserbaidschanische Stadt Xocalı und überraschten ihre Bewohner im Schlaf. Die Stadt wurde vollständig zerstört und 613 Zivilisten wurden getötet, darunter viele Kinder und alte Menschen. Rund 2.000 Menschen wurden verschleppt – ihr Schicksal ist bis zum heutigen Tage unbekannt. Bedauerlicherweise erkennen viele Länder dieser Welt in ihrer Doppelmoral die Tragödie von Xocalı nicht als Verbrechen an. Um das zu ändern, hat Leyla Aliyeva, Vizepräsidentin der Heydar Aliyev Foundation, die internationale Justice for Khojaly-Kampagne ins Leben gerufen.“

Valeh Huseynov, einer der Überlebenden, hatte beim Massaker von Xocalı seine Frau verloren und war selbst vom armenischen Militär verschleppt und gefoltert worden. Er schilderte seine persönliche Leidensgeschichte vor dem ergriffenen Publikum in Istanbul. Sein Bericht ist auch Teil des Dokumentarfilms Endless Corridor. Huseynov sagte: „In jener Nacht wurde unsere Stadt von armenischen Truppen beschossen. Wir hatten keine andere Wahl, als zu fliehen, obwohl die Stadt vollkommen eingekesselt war. Die Armenier verschonten niemanden: Sie töteten Kinder, schlugen Frauen und peinigten selbst die Alten. Ich sah mit eigenen Augen, wie Kinder enthauptet und Männer bei lebendigem Leib verbrannt wurden. Auch meine Frau wurde vor meinen Augen getötet, und ich konnte nichts dagegen tun. Wir waren alle hilflos. Ich selbst wurde von den Armeniern gefoltert. Sie wussten, dass ich Gitarrist war. Dennoch brachen sie mir alle Finger und zogen mit die Nägel heraus, so dass ich nie wieder werde spielen können.“

Die unabhängige Dokumentarfilmproduktion Endless Corridor feierte an diesem Abend in Istanbul Premiere. Der Film begleitet den litauischen Journalisten Richard Lapaitis auf seine Reise zurück nach Aserbaidschan – 20 Jahre, nachdem er als Kriegsberichterstatter von dort aus über den Bergkarabach-Konflikt und das Massaker von Xocalı berichtet hatte. Lapaitis kehrte in dem innigen Wunsch zurück, herauszufinden, wie die Opfer mit den Erinnerungen an das Massaker, bei dem ihre engsten Freunde und Angehörigen vor ihren Augen getötet wurden, weiterleben können. Auch die russische Journalistin Victoria Ivleva machte sich erneut auf den Weg nach Aserbaidschan und traf dort Mehriban wieder, deren zwei Tage altes Baby sie damals in den Wirren der Invasion gerettet hatte. Der Film erzählt die Geschichten einfacher Menschen, deren Leben durch den Überfall armenischer Truppen auf ihre Heimat zerstört wurden. Endless Corridor wurde unter der Regie von Aleksandras Brokas und Mitwirkung des Emmy-Award-Siegers Gerald Rafshoon produziert. Sprecher ist der Oscar-prämierte britische Schauspieler Jeremy Irons.

Obwohl der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vier Resolutionen gegen die armenische Invasion erlassen hat, hält Armenien die Region Bergkarabach und sieben angrenzende Provinzen bis zum heutigen Tage besetzt. Derzeit stehen fast 20 Prozent des aserbaidschanischen Staatsgebietes unter armenischer Besatzung. Zudem leben rund 875.000 aserbaidschanische Flüchtlinge und Binnenvertriebene noch immer überall in Aserbaidschan verteilt in Lagern. Der Abend in Istanbul war den Opfern des Massakers von Xocalı und all denjenigen Aserbaidschanern gewidmet, die nur einen einzigen Wunsch haben – in ihre Heimat zurückzukehren.

Der Dokumentarfilm Endless Corridor wird vom 24. bis 26. Februar in verschiedenen Kinos in Istanbul gezeigt. Im Rahmen der Justice for Khojaly-Kampagne werden kostenlose Eintrittskarten an die allgemeine Öffentlichkeit verteilt. Die Kampagne wird in Istanbul von einer breiten Marketinginitiative begleitet.

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