Sport

Traditionelle Sportarten

Sport hat in Aserbaidschan eine lange Tradition. Viele der traditionellen aserbaidschanischen Spiele und Sportarten, die regional und landesweit betrieben werden, sind bereits mehrere Jahrhunderte alt. Zu den beliebtesten Spielen zählen Topaldiqach (wörtlich: „Ballraub“), Surpapaq (wird zu Pferd gespielt), Yayliqqachirtdi (wörtlich: „Schalraub“), Chovkan (eine Art Polo), Chilling-aghach, Gulash (Ringen), Nard (Backgammon) und Sieben Schönheiten (siehe unten).

Eines der bekanntesten aserbaidschanischen Volksspiele ist Chovkan. Der Name leitet sich von der Bezeichnung für den Holzschläger ab, mit dem gespielt wird und der einem Hockeyschläger ähnelt. Chovkan wird in „Dede Korkut“, einem Epos aus dem 7. Jahrhundert, sowie in dem berühmten Werk „Chosrau und Schirin“ von Nezami aus dem 12. Jahrhundert erwähnt. Beim Chovkan sitzen die Spieler auf Pferden und müssen versuchen, einen Ball mit dem Chovkan – einem langen, am unteren Ende gebogenen Holzschläger – in das gegnerische Tor zu treiben. Das Spielfeld ist 120 bis 130 Meter lang und 60 bis 150 Meter breit. Die Torpfosten sind jeweils zwei Meter hoch und liegen fünf Meter auseinander. Die Spielzeit beträgt zwei Stunden und wird von einer Halbzeit unterbrochen. Das Spiel wird musikalisch begleitet. Die Spieler tragen Volkstracht – einen Hut, die Arkhaliq oder eng anliegende Jacke und Pluderhosen. Chovkan wird von drei Schiedsrichtern gepfiffen.

Chiling-aghach ist ein aserbaidschanisches Spiel, das bei Kindern sehr beliebt ist. Das Spiel wird mit einem Schläger und einem Pflock gespielt und ähnelt dem britischen Cricket oder dem American Baseball. Anstatt eines Balls wird jedoch mit einem kurzen Holzstab gespielt.

Nard oder Backgammon ist eines der ältesten Brettspiele der Welt. Heute geht man davon aus, dass das Spiel in Mesopotamien im alten Persien erfunden wurde. Damals wurde das Spiel auf einem hölzernen Brett oder auf Steinen mit Würfeln aus Knochen, Stein oder Holz gespielt. Im Laufe seiner Geschichte wurde Backgammon durchweg mit dem Königshof und dem Adel assoziiert. Viele archäologische Funde bezeugen die Beliebtheit dieses Spiels unter persischen, griechischen, römischen und fernöstlichen Adeligen. Die Perser bezeichneten Backgammon als „Takhteh nard“, was wörtlich die „Schlacht auf Holz“ bedeutet. Als die Perser Ägypten eroberten, führten sie das dort ein, und es erhielt den Namen „tau“. Der griechische Name für Backgammon ist „tavli“, die Türken nennen es „tavla“.

Sieben Schönheiten ist ein Spiel, bei dem sieben Mädchen gegeneinander antreten. Alle Mädchen bekommen einen Häkelhaken und verschiedenfarbige Wolle. Auf ein Startsignal hin muss nun jedes Mädchen Strümpfe häkeln. Das Mädchen, das in kürzester Zeit die besten Strümpfe häkelt, gewinnt.

Aserbaidschan bei den Olympischen Spielen

Zwischen 1952 und 1992 nahmen aserbaidschanische Sportler für das Team der UdSSR an insgesamt neun Olympischen Spielen teil und gewannen zehn Goldmedaillen, elf Silbermedaillen und sieben Bronzemedaillen.

Bei den Olympischen Sommerspielen in Barcelona 1992 gehörten fünf Aserbaidschaner dem Vereinten Team an, das sich aus den Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten und Georgien zusammensetzte. Zwei aserbaidschanische Athleten holten damals Gold für das Team.

Im Januar 1992 gründete Aserbaidschan sein eigenes Nationales Olympisches Komitee. Im November 1992 wurde es Mitglied des Europäischen Olympischen Komitees. Im September 1993 schließlich wurde Aserbaidschan vom Internationalen Olympischen Komitee offiziell anerkannt. 1996 nahm das Land zum ersten Mal mit einem eigenen Team an den Olympischen Spielen in Atlanta teil. Das Team gewann eine Goldmedaille und belegte Rang 61 von insgesamt 197 teilnehmenden Mannschaften. Seitdem hat Aserbaidschan an allen Olympischen Sommerspielen teilgenommen und jedes Mal Medaillen geholt.

Aserbaidschanischer Sport auf internationalem Niveau

Neben den traditionellen Sportarten gibt es eine Vielzahl von Disziplinen, die in Aserbaidschan auf hohem Niveau und international betrieben werden. Dazu gehören Ringen, Boxen, Reitsport, Basketball, Karate, Volleyball, Schwimmen, Kraftdreikampf, Fußball und Schach.

Trivia des aserbaidschanischen Sports

Zur Zeit der Sowjetunion stand der Name Garri Kasparow gleichbedeutend für den Schachsport. Der Schachweltmeister galt zwar als russischer Spieler, wurde aber in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku geboren.

Der berühmte „russische“ Linienrichter Tofiq Bährämow, der im WM-Finale 1966 maßgeblich mit dafür verantwortlich war, dass das legendäre Wembley-Tor gewertet wurde, war Aserbaidschaner. In seiner Heimat war Bährämow ein bekannter Schiedsrichter; 2006 wurde das nationale aserbaidschanische Fußballstadion nach ihm benannt.

Themenseiten